Hände greifen, berühren, spielen, arbeiten und gestalten. Maschinen sind überall und KI revolutioniert das Leben. «Hands-on» macht die zentrale Bedeutung der Hand in Design, Kunst und Kultur erlebbar.
Hände greifen, berühren, spielen, arbeiten und gestalten. Die Ausstellung «Hands-on» lädt ein, Hände in all ihren Facetten neu zu entdecken. In einer Welt, in der Maschinen allgegenwärtig sind und künstliche Intelligenz das Leben revolutioniert, stellt sich die Frage: Wofür nutzen wir heute noch unsere Hände? Die Schau macht in sechs Kapiteln erlebbar, welche zentrale Bedeutung die Hand in Design, Kunst und Kultur spielt.
Die Hand ist weit mehr als ein anatomisches Wunderwerk: Sie ist Werkzeug, Ausdrucksmittel, Kommunikationsmedium und Speicher von Erfahrung. Keine gleicht der anderen – jede Hand ist geprägt von Gewohnheiten und dem, was sie tut.
Die Ausstellung «Hands-on» nimmt diese einzigartige Verbindung zum Ausgangspunkt und erkundet die Hand im Spannungsfeld von Gestaltung, Kunst und Gesellschaft. Dabei geht es um ihre erstaunlichen Fähigkeiten ebenso wie um die Spuren, die das Leben in ihr hinterlässt. Und um die Frage, was verloren geht, wenn wir versuchen, die komplexe Vielfalt und das Wissen der menschlichen Hand technisch nachzuahmen.
Hände erzählen, berühren und schaffen Bedeutung. Vom Daumen hoch über den berühmten vulkanischen Gruss aus Star-Trek bis zum Fist Bump, dem freundlichen Faustgruss, aber auch von Emojis und rituellen Gesten: Kaum ein Körperteil ist so selbstverständlich Teil unserer visuellen und sozialen Kommunikation. Handbewegungen können Nähe herstellen, Zugehörigkeit markieren, Macht ausdrücken oder Geschichten weitergeben. Die Ausstellung fragt auch, wessen Geschichte überliefert wird – und wessen Geschichten verloren gehen.
Gleichzeitig prägen Vorstellungen von der normierten Hand Gestaltung, Technik und unseren Umgang mit Dingen. Was bedeutet das für Linkshänder:innen, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen? Projekte zu Prothesen, Hilfsmitteln und Robotik untersuchen, ob Maschinen die menschliche Hand imitieren können – und ob sie ihr irgendwann ebenbürtig oder überlegen sein werden.
Handwerk und Automatisierung, das Arbeiten mit den Händen, Berührung und digitale Nähe, Materialität und Haptik erweitern das Spektrum. Internationale künstlerische Arbeiten, Forschungsprojekte, Designexperimente der letzten Jahre, Bildmedien und Artefakte stellen aktuelle Fragen. Zahlreiche interaktive Stationen laden dazu ein, selbst zu greifen, zu tasten, zu spielen und auszuprobieren. So wird die Ausstellung zu einem Ort, an dem die menschlichen Hände nicht nur betrachtet, sondern unmittelbar erfahren werden.
AUSSTELLUNGSSTATIONEN
JEDE HAND IST EINZIGARTIG
Die Hand ist ein anatomisches Wunderwerk, dessen evolutionäre und individuelle Entwicklung im Fokus der Schau steht. Moulagen aus unterschiedlichen Phasen eines Menschenlebens von Johanna Stierlin (CH) und eine Installation von Handinnenabdrücken von Lina Meseke (NO) verdeutlichen die Individualität jeder einzelnen Hand und ihre Veränderung im Laufe des Lebens.
In Ilse Kinds (NL) Installation «Lifetime Approval Rate 96 %» geht es um die Rolle, die künstliche Intelligenz beim Abbilden von Händen spielt, während sie die Vielfalt von Händen nur erahnen lassen kann. Anna-Maria Chernigovskayas (RU) Animationsfilm «My Hands» führt vor Augen, wie sich Erinnerungen in Hände einschreiben – und Hände zu Erinnerung werden.
ZWISCHEN WERKZEUG UND ROBOTIK
Es gibt Normierungen und Vorstellungen von «Standardhänden», die unseren Umgang mit den Dingen als auch deren Gestaltung und Technik prägen. Wo entstehen dadurch Barrieren – etwa für ältere Menschen, Linkshänder:innen, Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit oder Behinderungen? Welche besondere Rolle spielt dabei der Daumen? Designerin Dani Clode (GB) geht mit dem «Third Thumb Project» der Frage nach, welche Vorteile ein dritter Daumen brächte, während Thomas d‘Enfert (DE) mit seinem spekulativen Gestaltungsprojekt «No Spare Wheels» untersucht, was es heisst, keinen Daumen zu haben.
Ausserdem beleuchtet «Hands-on» Themen an der Schnittstelle von Technik, Biologie und Gestaltung: die Möglichkeiten von Hilfsmitteln und Prothesen, die Robotik des ETH Soft Robotic Labs als Schnittstellentechnologie und die Frage, ob man Hände imitieren kann. Oder, wie im futuristischen Animationsfilm «The Stranger» von Jihye Jung (KR), ob wir Expertise und taktiles Wissen händisch anlegen können. Ist die menschliche Hand einer Roboterhand eigentlich überlegen? Und wenn ja, wie lange noch?
ARBEIT MIT HÄNDEN
Das filmische Langzeitprojekt «Enzyklopädie der Handhabungen» von Anette Rose (DE) dokumentiert menschliches Handwerk und Maschinen in Produktionsprozessen und zeigt auf, wie die fortschreitende Automatisierung die Arbeit des Menschen verändert. Daneben verdeutlichen Outfits des Labels Human Touch (DE), wie sich unsichtbare Arbeit in Form von Berührung in Textilien einschreibt, während Ana Mouyis (US/CY) Film «To your Hands» mit einem Blick nach Zypern zeigt, wo und wie Arbeit mit den Händen stattfindet und kulturelle Identität schafft.
Eine Bühne mitten in der Ausstellung rückt die Arbeit mit Händen ins Zentrum. Hier werden im Rahmen des Begleitprogramms Menschen ganz unterschiedlicher Berufsgruppen eingeladen, ihre handwerklichen, künstlerischen oder gestalterischen Tätigkeiten zu präsentieren: Designer Daniel Heer erarbeitet aus recycliertem Rosshaar neue Rosshaarmatratzen, Uhrmacherin Anny Weber repariert vor Ort Uhrwerke, Tänzer Tom Bittins führt die Besucherinnen und Besucher in die Kunst des «Finger-Tuttings und -Wavings» ein. Schriftenmaler Marco Wyss zeigt die Kunst typografischer Gestaltung von Hand, Meisterfloristin Anita Leuthold gestaltet mit wilden Pflanzen Pflanzenschmuck und Lea Reutimann «Nail-Art to go». Hier steht die Frage im Raum: Für welche Arbeiten werden wir unsere Hände in Zukunft eigentlich noch brauchen? Und was ist uns Handarbeit wert?
ZEICHENSPRACHE UND GESTEN
Von Emojis über Plakate bis hin zu Anleitungen auf Hundekot-Tüten, von Mr. Spocks Vulcan-Gruss bis zu Barack Obamas Fist-Bump-Gruss: Die Hand fungiert als zentrales Medium der Kommunikation und als Trägerin vielfältiger Bedeutungen. Im Mittelpunkt stehen in diesem Ausstellungsteil kulturelle und soziale Dimensionen von Handzeichen, Gesten und dem Erinnern mit Händen. Zu sehen sind Arbeiten von Stéphanie Baechler (CH), Paul Farrell (GB), Lena Rosa Händle (DE) und Jonathan Horowitz (US), die ganz unterschiedliche Perspektiven auf die Bildsprache der Hände eröffnen. Dazu kommt die filmische Arbeit «I Want to Tell You Something» von Anawana Haloba (NO/ZM), in der Hände Träger von Handlung und Erinnerung sind und die Frage im Raum steht, wessen Geschichte wir weitergeben.
BERÜHREN UND BERÜHRT WERDEN
Berührung bedeutet Bindung, Emotionen und Nähe. Richard Renaldis (US) Fotoserie «Touching Strangers» dokumentiert intime und überraschende Begegnungen zwischen fremden Menschen, während Valery Poshtarov (BG) «Father & Son» (Vater und Sohn) zusammenführt. Erik Kessels (NL) «Incomplete Encyclopedia of Touch» zeigt, wie gern Menschen Dinge berühren und sich dabei fotografieren. Währenddessen dokumentiert Barbara Glasners (DE) Sammlung «Most Touched» tausendfach berührte Türklinken aus aller Welt. In Julia Chamberlains (US) «Touch Archive» ist das berührte Ding das Smartphone, wobei Fingerspuren Hinweise auf die Nutzung geben. Erweitert werden diese Positionen durch Harun Farockis (DE) Film «Übertragung», in welchem Hände als Mittel non-verbaler ritueller Kommunikation fungieren.
Die Ausstellung wird durch zahlreiche Perspektiven ergänzt, etwa dem Phänomen des «Phantom Touch» im digitalen Raum. Und im Material-Labor wird der Haptik von Materialien nachgegangen. Gezeigt werden auch Handschuhe aller Art, mit unterschiedlichsten Materialitäten und Funktionen.
PARTIZIPATIV: EINE WELT VOLLER HÄNDE
Wie fühlt sich das an? Wie funktioniert das? Kann ich das auch? Es gibt zahlreiche partizipative Stationen, an denen die Besucher:innen selbst erkunden können, wie Hand und Hirn zusammenarbeiten: etwa beim Operations-Übungstool, oder wenn getestet wird, ob Hilfsmittel eigentlich wirklich Erleichterung bringen. Die Welt der Fingerspiele und des Geschichtenerzählens bietet dabei unendliche Möglichkeiten, Hände in Szene zu setzen oder selbst Hand anzulegen. Sei es beim «Finger-Tutting», bei Geschicklichkeitsspielen oder in Schattenspielen von Drew Colby (GB). In der filmischen Performance der Hopeful Monsters (GB) entstehen so Tiere und ganze Welten, während Annina Mosimanns Ein-Frau-Theaterstück «Bestiarium» gar eine Kiste zum Leben erweckt. Das ist für Erwachsene wie Kinder gleichermassen faszinierend.
Zudem ist mit «Coral Crochet Reef» von Margaret und Christine Wertheim bereits ein partizipatives Kunstprojekt in der Ausstellung «Hands-on» vertreten. Es darf gehäkelt werden! Ab April 2027 dann wird das Projekt in der gleichnamigen Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur zu sehen sein.
MIT BETEILIGUNG VON
Stéphanie Baechler (CH), Julia Chamberlain (US), Anna-Maria Chernigovskaya (RU), Dani Clode (GB), Drew Colby (GB), Em Cooper (GB), Johanna Dahm (CH), Thomas d’Enfert (CH), Harun Farocki (DE), Paul Farrell (GB), Barbara Glasner (DE), Anawana Haloba (NO/ZM), Lena Rosa Händle (DE), Hopeful Monsters (GB), Jonathan Horowitz (US), Human Touch Clothing (DE), Jihye Jung (KR), Katerina Kamprani (GR), Erik Kessels (NL), Ilse Kind (NL), Lina Meseke (NO), Ana Mouyis (US/CY), Valery Poshtarov (BG), Richard Renaldi (US), Anette Rose (DE), Johanna Stierlin (CH) u. v. m.
VERANSTALTUNGEN
Das Begleitprogramm zieht Besucher:innen, Familien und ein gestaltungsinteressiertes Publikum aktiv mit ein. Führungen, Workshops und Hands-on-Stationen ermöglichen direkte Erfahrungen mit den vielfältigen Fähigkeiten der Hand. Der partizipative Blog «Dinge machen» ermöglicht das Teilen der eigenen Erfahrungen und einen Austausch zu verschiedenen Kulturtechniken. Auch wird ein Workshop für Schulen angeboten.
Informations sur l'événement
Toutes les informations actuelles et supplémentaires sur l'événement peuvent être trouvées sur le site web de l'organisateur. Les changements soudains seront uniquement affichés sur le site web de l'organisateur.
- Temps Mardi 1. Décembre 2026, 10:00 - 17:00 Uhr
- Ort Gewerbemuseum Winterthur, Kirchplatz 14, 8400 Winterthur
- WWW gewerbemuseum.ch
- Liens
- Accessibilité
- accessible Rollstuhl (complet)
- Ceux-ci :guidle.com
